Große Hilfe für kleinen Vogel

Auch heute noch kümmert sich Familie Hiemer bei Bedarf um verletzte Singvögel oder verwaiste Jungvögel. Wie hier im August 2017 eine kleine Mönchsgrasmücke, welche von Spaziergängern gefunden wurde. Die Pflege eines Jungvogels ist ein wahrer "Fulltime-Job". Der kleine Untermieter verlangt alle halbe Stunde sein Futter um groß und stark zu werden, damit er bald in die Freiheit entlassen werden kann.

Wer auf einen einsam und hilflos wirkenden Jungvogel trifft sollte das Tier auf keinen Fall gleich aufnehmen, sondern es an Ort und Stelle belassen.
Der Schein trügt häufig, denn die Jungen vieler Vogelarten verlassen ihr Nest bereits, bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist. Meist handelt es sich nicht um Waisen, sondern um fast flugfähige Jungvögel mit relativ vollständigem Gefieder, die durch Bettelrufe noch mit ihren Eltern in Verbindung stehen. Sobald der Mensch sich entfernt, können sich die Eltern wieder um ihre Kinder kümmern. Dass es sich bei den Jungvögeln um wirklich verwaiste und nicht um „Scheinwaisen“ handelt, kann man durch längeres – zwei bis drei Stunden –, vorsichtiges Beobachten aus einem Versteck erkunden. Lediglich wenn Gefahr droht, wenn Jungtiere beispielsweise auf der Straße sitzen, sollte man eingreifen, die Jungtiere wegtragen und an einem geschützten Ort, aber nicht zu weit vom Fundort wieder absetzen.

15 Jahre erste Adresse für verletzte Kleinvögel

Frau Lore Schmitt, Bad Friedrichshall-Kochendorf

Von 1968 bis 1982 hat Frau Lore Schmitt mit ihrer Familie in Kochendorf ihr Haus für gefiederte Patienten rund um die Uhr geöffnet. Die notwendigen Volieren wurden nach und nach von Herrn Schmitt gebaut.

 

Jährlich wurden mehr als 100 Kleinvögel, vor allem Meisen, Kleiber, Amseln, Schwalben, Mauersegler, Sperlinge, Rotschwänze u.a. abgeliefert und nach überstandener Verletzung bzw. dem Flüggewerden bei Jungvögeln wieder der Natur zurückgegeben. An eine nette Begebenheit kann ich mich dabei besonders erinnern. Ich brachte einen verletzten Vogel und mich begrüßte am Eingang eine Kohlmeise, welche demonstrativ auf dem Spendenhäuschen von Frau Schmitt saß, so dass jeder Besucher wusste, was er zu tun hatte.

Frau Lore Schnitt vor Ihrer Kleinvogelpflegestation, die sie von 1968 bis 1982 in Kochendorf betrieb.

 

Jährlich wurden über 100 Kleinvögel abgeliefert und nach überstandener Verletzung bzw. dem Flüggewerden bei Jungvögeln wieder der Natur zurückgegeben.

Eine Rauchschwalbe schaffte den Flug in den Süden nicht mehr, sie hat sogar bei Schmitts überwintert.

 

Neben den vielen Kleinvögeln wurden aber auch Großvögel wie Turmfalken, Mäusebussarde und Schwäne abgegeben. Bei einem Schwan musste dabei eine Angelschnur aus dem Schlund herausoperiert werden.

 

Ein ganz seltener Gast war eine Große Rohrdommel, welche im Winter bei Neuenstadt-Stein in entkräfteten Zustand gefunden wurde. Nach der erfolgreichen „Kur“ bei Lore Schmitt, wurde sie von ihr an den Bodensee gebracht und dort in ihrem Lebensraum „Schilf“ wieder in die Freiheit entlassen.

 

1982 musste das Haus der Familie Schmitt dem Ausbau der B 27 weichen. Aber auch in ihrem neuen Domizil auf dem Lindenberg hat sie noch mehrere Jahre immer wieder Kleinvögel versorgt und dabei Familie Hiemer in Oedheim unterstützt.

 

Text: Horst Schulz und Otto Knörle

Kleinvogelpflegestation Familie Hiemer, Oedheim

Nachdem Frau Lore Schmitt ihre erfolgreiche Kleinvogelpflege nicht fortsetzen konnte, sprang Familie Hiemer in die Bresche. Dieter, seine Frau Mechthild, Tochter Tanja und Sohn Thomas gingen mit den Erfahrungen von Lore Schmitt, und viel Idealismus die zeitaufwändige Aufgabe an.

 

Neben den verletzten Tieren, ging es vom Frühjahr bis zum Sommer vor allem um die Aufzucht von Jungvögeln, welche entweder keine Elterntiere mehr hatten oder durch Haussanierungen oder Witterungseinflüsse in die „Pension Hiemer“ kamen. Dabei mussten die Jungtiere –wie in der freien Natur – vom Tagesanfang bis zum Tagesende gefüttert werden. So unterschiedlich die Arten waren, so unterschiedlich gestaltete sich auch der Speiseplan, denn Mauersegler, Wendehals, Specht, Eisvogel, Teichhuhn und Flussregenpfeifer sind entsprechende Nahrungsspezialisten. Wendehälse wurden z.B. mit Wiesen- und Waldameisenpuppen, Flussuferläufer mit Wasserflöhen, ein Eisvogel jeden Tag mit 15-20 Köderfischchen gefüttert.

Links: Tanja Hiemer mit einem Hausrotschwanz auf dem Finger und fünf jungen Kohlmeisen aus einem Sägestamm von Kochersteinsfeld (1986).

 

Rechts: Junge Mehlschwalben in Pflege (1985).

Wochenendausflüge wurden abgesagt, weil man gerade ein Nest voller Kohlmeisen bekommen hatte. Der Flussregenpfeifer nahm das gesamte Wohnzimmer in Beschlag, ein entflohener Pelikan erhielt Asyl und Schwalben machten es sich auf dem Lampenschirm über dem Esstisch gemütlich. Eine junge Lachmöwe brauchte Gesellschaft, ein angekündigtes Amseljunge entpuppte sich als Grünfüßiges Teichhuhn, verweigerte die Auswilderung, machte es sich im heimischen Garten gemütlich und schloss Freundschaft mit Hund und Schildkröte. Schließlich wurde ein junger Schwan aus der Jagst gerettet und groß gezogen.

 

Bei so vielen Patienten, anfangs kamen auch Greifvögel wie Mäusebussarde, Turmfalken, Sperber und Eulen dazu und auch Igel und Fledermäuse machten Hiemers Wohnung und Garten zu einem Tierheim, wurden natürlich auch Volieren in Eigenleistung zur Unterbringung gebaut.. Da traf es sich gut, dass Dieter Hiemer gleichzeitig Taubenzüchter war, so kamen auch sehr viele Brieftauben über das Tierheim Heilbronn in die Pflegestation.

Unvergessliche Momente

In mehr als 10 Jahren ehrenamtlicher Vogelpflege haben sich viele besondere und unvergessliche Begebenheiten ergeben:

 

• Ein junger Eichelhäher, der sich nur von der Tochter Tanja füttern ließ

• Ein Eichelhäher, der das Sprechen lernte

• Jungvögel, die zur Versorgung von Mechthild Hiemer täglich zur Arbeit

  mitgenommen wurden

• Rettungsaktion für einen Schwan – Amputation eines Flügels- und erfolgreiche

  Auswilderung

• Aber auch traurige Erfahrungen wie vergiftete oder verstümmelte Vögel

• Mehl-, Rauchschwalben und Mauersegler welche sich ihre Fettreserven für den

  Flug in den Süden holten

 

Solch eine ehrenamtliche Tätigkeit erfordert pro Woche einen 7 Tage-Einsatz ohne Sonntagsruhe! Sie ist auch nur möglich, wenn die ganze Familie mitmacht.

 

Familie Hiemer stellte die Kleinvogelpflege ein, nachdem Tochter Tanja die Schule beendet hatte und aus beruflichen Gründen weniger Zeit investieren konnte.

 

Der NABU Bad Friedrichshall zollt ihnen dafür großen Respekt, Anerkennung und Dank für die ungezählten ehrenamtliche Stunden, die immer dann mit Freude verbunden waren, wenn die Pfleglinge sich mit dem Flug in die Freiheit verabschiedeten.

 

Text: Horst Schulz, Tanja, Thomas und Dieter Hiemer

Eichelhäher Mikesch war ein Sprachgenie (1985).

Jahresprogramm 2017

Termine Sept.-Nov.
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Termine Jan.-Sept.
Flyer Jan-Sept.2017.jpg
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Achtung:

Der angekündigte Streuobsttag am 23.9.17 kann wegen geringer Ernteerwartung nicht stattfinden!

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